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Zeitungsbericht über Alfred Kießling

Alfred Kiesling
„Ich möchte erst richtig anfangen”
Mit 88 Jahren ist Alfred Kießling ältester Sportkegler

Von Christian Martens

Auf der Schrankwand in seinem Wohnzimmer glänzen zahllose Pokale und Medaillen; die Wand ist in ihrer ganzen Länge mit gerahmten Urkunden geschmückt. Seit seiner Kindheit spielt der Sport im Leben von Alfred Kießling eine zentrale Rolle. Mit 88 Jahren spielt er heute noch aktiv in der gemischten Kegelmannschaft des Allgemeinen Sportvereins (ASV) Pegnitz.

Seit 1948 ist Alfred Kießling Mitglied beim ASV. Für Vereinsvorsitzenden Günter Bauer ist er ein Phänomen. „Alfred Kießling gehört zu den besonderen Persönlichkeiten. Aufgrund seiner großen sportlichen Leistungen und seines gesellschaftlichen Engagements genießt er eine hohe Achtung”, sagt Bauer. Große Worte über einen Mann, der sich im persönlichen Gespräch bescheiden gibt.

Wenn Alfred Kießling über seine Leidenschaft zum Sport spricht, sind das keine Erzählungen eines unverbesserlichen Alten. Vielmehr sind es Berichte eines Mannes, in dessen Leben der Sport seit der Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt hat. „Ich will mit 88 Jahren noch nicht aufhören. Ich möchte erst richtig anfangen - soweit es die Gesundheit zulässt”, sieht Kießling sein sportliches Engagement keinesfalls am Ende.

Wieder auf die Bahn.
Keine Krankheit, keine Operation und schon gar nicht sein Alter haben dem 88-Jährigen den Spaß am Kegeln, am Wettbewerb und am Vereinsleben genommen. „Als er nach einer Knieoperation im Alter von 80 Jahren entlassen wurde, war sein erster Weg auf die Kegelbahn. Mit den beiden Stöcken in der Hand hat er gesagt: ,Hier bin ich wieder‘”, erzählt seine Frau Elisabeth Kießling, die ihren Mann bis auf wenige Ausnahmen zu seinen sportlichen Wettkämpfen begleitet hat.

Kurze Fußballkarriere
Eigentlich wollte Alfred Kießling Fußball spielen. Als er 1948 aus der Kriegsgefangenschaft nach Pegnitz kam und Mitglied beim ASV wurde, war er zunächst Torwart der Fußballmannschaft. Ein schwerer Unfall im Spiel gegen den Rivalen aus Auerbach beendete seine Ambitionen. Beim Zusammenprall mit einem Gegenspieler trug Alfred Kießling einen Schädelbasisbruch davon.

Sein Weg führte ihn zum Sportkegeln. Zunächst in Bayreuth, später gehörte er als Vorsitzender zu den Gründungsmitgliedern der Abteilung Sportkegeln beim ASV. Vor allem die Auswärtsfahrten im voll besetzten VW-Bus zu Spielen nach Eichenhüll sind den Kießlings in bester Erinnerung. „Das war immer eine Gaudi”, erzählt Elisabeth Kießling. Nach Eichenhüll ging auch Alfred Kießlings letzte längere Fahrt zu einem auswärtigen Wettkampf im vergangenen Jahr. Die Strapazen erspart er sich heute - auch wenn es manchmal so klingt, als wäre er das eine oder andere Mal schon noch gerne dabei. „Die Mannschaft hat mehr Angst um mich als ich selbst.”

Inzwischen steht er der gemischten Mannschaft in der Kreisklasse A Ost als ältester aktiver Spieler im Spielkreis Bayreuth als Ersatz zur Verfügung. Einmal in der Woche nimmt der 88-Jährige am Mannschaftstraining teil. Der Altersunterschied von über 70 Jahren zum jüngsten Mannschaftskameraden bereitet ihm keinerlei Probleme. „Das Kegeln ist da eine richtige Freude”, sagt er lachend.

„Ich lege gleich los”
Er ist bei nahe zu jedem Heimspiel seiner Mannschaft von Anfang bis zum Schluss anwesend. Dieses Jahr kam er bis jetzt drei Mal zum Einsatz. Seine Mannschaftskameraden/-innen lassen ihm dann jedes Mal gerne den Vortritt. Wer glaubt, er lasse es wegen seines Alters ruhiger angehen, täuscht sich: „Ich spiele nicht erst langsam und vorsichtig, sondern lege gleich los.” Auch die Schwierigkeit, die Anzeigetafel mit dem Punktestand und der Wurffolge zu erkennen, bremst ihn nicht. Er fragt halt, sagt er.
Seit 1990 ist Alfred Kießling Ehrenmitglied des ASV Pegnitz, die goldene Ehrennadel hat er schon vor 20 Jahren verliehen bekommen. Als Zuschauer versucht er, bei jedem Heimspiel der ersten Herrenmannschaft dabei zu. Auch die Ergebnisse der anderen Kegelmannschaften verfolgt er sehr genau. Wenn er selbst die Sportschuhe schnürt, würden sich die Gästespieler häufig wundern: „Och, der Kießling kegelt immer noch.” Und wenn man ihn reden hört, wird das auch so bleiben, denn ans Aufhören denkt der 88-Jährige noch lange nicht.


 

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